LICHTBLICKER

Kaffee aus dem Regenwald

Seit mehr als zehn Jahren schützt LichtBlick Regenwald in Ecuador. Regelmäßig erhalten wir von Carlos Zorrilla, dem Leiter unserer Partnerorganisation DECOIN, Berichte aus dem Regenwald. Diesmal berichtet er von Kleinbauern, die Kaffee im Intag-Tal anbauen. Entstanden ist die Idee aus den Protesten gegen Bergbauprojekte in der Region, und wurde zum Erfolg.

Lokal angebaut und lokal verarbeitet - Kaffee aus dem Intag im Regenwald, Foto: Mara Berg/LichtBlick
Lokal angebaut und lokal verarbeitet – Kaffee aus dem Intag im Regenwald, Foto: Mara Berg/LichtBlick

Ein Kaffee aus dem Regenwald mit Geschichte

„Café Río Intag” ist der Markenname von Arabica-Kaffee, den Kleinbauern im Intag-Tal von Ecuador produzieren. Die Vermarktung übernimmt seit 1998 eine Organisation namens AACRI, so ihr spanischer Kurzname. Die Ernte 2017 wird auf 65 Tonnen geschätzt. Bedeutende Mengen dieses Kaffees werden in Ecuador vermarktet, doch ein Großteil wird nach Frankreich, Kanada und Japan sowie in die USA exportiert. Der Export-Kaffee ist größtenteils mit dem BIO-Siegel der deutschen Organisation Öko Garantie BCS ausgezeichnet. Zusätzlich bemüht sich AACRI, das Fair Trade-Siegel zu erhalten. Café Río Intag und die AACRI sind beide eng verknüpft mit der Umweltschutzorganisation DECOIN und mit dem 22 Jahre andauernden Kampf der Intag-Bewohner gegen die Genehmigung eines großen Kupfer-Bergbauvorhabens.

1996: Ein schwieriges Jahr…

Anfangs war das Kaffeeprojekt Teil jener Aktionen, die eine Tochtergesellschaft des japanischen Unternehmens Mitsubishi daran hindern sollten, im Toisan-Gebirge von Intag Kupferabbau zu betreiben, denn dieses Gebirge ist für seine bedeutende biologische Vielfalt bekannt. 1996 war das zweite Jahr des Widerstands gegen das Bergbauvorhaben. Mit DECOIN suchte ich nach Mitteln und Wegen, Kosten zu decken, die den Gemeinden durch ihre Widerstandsaktionen entstanden sind. Kaffee schien eine gute Option zu sein. Viele Menschen in der Region bauten auf ihrem Land Kaffee an, verfügten bereits über Erfahrungen. Zudem ernten die Intag-Bewohner auch nur die reifen, roten Kaffeekirschen – das ist sehr wichtig, denn nur die Verwendung reifer Kirschen garantiert optimale Kaffeequalität. In vielen Kaffee produzierenden Regionen werden dagegen alle Kaffeekirschen der Pflanze, ob reif oder nicht, geerntet, weil das die Arbeit erleichtert! Außerdem liegt Intag größtenteils auf mehr als 1.200 Meter über dem Meeresspiegel – die perfekte Höhe für eine gute Arabica-Kaffeekultur. Zudem wird fast der gesamte Kaffee der Region im Schatten von Baumkronen kultiviert, was im Einklang mit dem Ziel von DECOIN steht, die biologische Artenvielfalt zu schützen. Zu guter Letzt produzierte ich schon damals Kaffee selbst und wurde von meinen Freunden, die mich besuchten, für diesen immer gelobt.

Erste Verkäufe

Der Kaffee bietet den Menschen vor Ort ein sicheres und nachhaltiges Einkommen, Foto: Mara Berg/LichtBlick
Der Kaffee bietet den Menschen vor Ort ein sicheres und nachhaltiges Einkommen, Foto: Mara Berg/LichtBlick

Mit dem Verkauf von Intag-Kaffee begann DECOIN 1997; Bekannte und zwei Restaurants in Otavalo waren die ersten Abnehmer. Anfangs kauften wir nur den Kaffee einiger Freunde in Apuela. Die Frauen übernahmen die Aufgabe, die Kaffeebohnen zu rösten. Doch es war knifflig, in den großen Lehmschüsseln („tiestos“) über offenem Feuer eine gleichmäßige Röstung hinzubekommen. Oft wurden die Bohnen überröstet. Und es war nicht einfach, den Kaffee zu verkaufen.
Schon damals wurde uns klar, dass wir einen Markennamen brauchten, um unser Produkt von den übrigen zu unterscheiden. Und so wurde die Idee von Café Río Intag geboren. Auf dessen Logo: der Blattschnabel-Blautukan. Diese Tukan-Art kommt nur im Südwesten Kolumbiens und im Nordwesten Ecuadors vor. Auf diese Weise betonen wir die Bedrohung der Artenvielfalt durch Kupfer-Bergbau. Als Verpackung nutzen wir handgewebte Säckchen aus Sisal, die eine Frauengruppe aus Intag herstellte. Die Naturfaser Sisal wächst in der Region. Auch 20 Jahre später wird Café Río Intag in Ecuador noch in der schönen Verpackung angeboten.

Die Geburt der Kaffee-Vereinigung

Und so ging es bei DECOIN weiter bis der Kaffeeverkauf für uns zu zeitraubend wurde. Außerdem wollten wir das Kaffeegeschäft weiter ausbauen – als wirtschaftliche Alternative zum Bergbau. Zum Zweck der Vermarktung wurde 1998 also eine Organisation namens AACRI, so ihr spanischer Kurzname, ins Leben gerufen. Die AACRI hat heute 162 Mitglieder und insgesamt profitieren vom Kaffeeanbau und -verkauf rund 400 Familien.

 

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Die Berichte veröffentlichen wir regelmäßig hier auf unserer Internetseite.


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