LICHTBLICKER

Gute Neuigkeiten aus dem Regenwald

Unsere Projektpartnerin von „GEO schützt den Regenwald e.V.“, Eva Danulat,  war vor kurzem in Ecuador und hat dort auch das mit Hilfe von LichtBlick und allen LichtBlickern geschützte Regenwaldgebiet besucht und mit unseren Partner von DECOIN gesprochen. Und sie bringt viele gute Neuigkeiten mit.

Ankommen im Regenwald

Wie im Flug vergehen die 75 Minuten im Bus von Otavalo nach Santa Rosa. Früher dauerte die Fahrt oft drei Stunden, erst seit ein paar Monaten ist die ganze Strecke perfekt ausgebaut und asphaltiert. Doch schnell wird klar: Die Lage im Land ist angespannt, Ecuador durchläuft eine schwere wirtschaftliche Krise, die Regierung steht unter hohem Druck. Nur aus unserem Projekt gibt es gute Neuigkeiten. Eine spannende Woche liegt vor mir!

Besuch der Baumschule in Cuellaje, Foto: Eva Danulat
Besuch der Baumschule in Cuellaje, Foto: Eva Danulat

Zu Pferd ins Aufforstungsgebiet

Als die Präsidentin von DECOIN, Silvia Quilumbango, und ich in Cuellaje ankommen, haben ratlose, wütende Eltern gerade das Colegio besetzt. Der Grund: Obwohl das Schuljahr schon vor Wochen begonnen hat, fehlen noch immer zwei Drittel des Lehrpersonals. Unser Gesprächspartner José Garzón, der Präsident der Bezirksregierung, wird als Vermittler gebraucht und gerufen. Wir müssen unser Planungstreffen später fortsetzen, ziehen den Besuch der kleinen Baumschule im Ort vor. Dort ziehen drei engagierte junge Leute seit dem vergangenen Jahr heimische und bedrohte Baumarten – im Auftrag des neuen Aufforstungsprojekts von „GEO schützt den Regenwald“ und DECOIN. Einige der Flächen im knapp 3500 Hektar großen Gemeindeschutzwald von Cuellaje, der mithilfe von LichtBlick-Spenden finanziert werden konnte, wurden Ende 2015 bereits aufgeforstet.

Neue Bäume wachsen

Auf dem Pferd zu den Aufforstungsgebieten im Regenwald, Foto: Eva Danulat
Auf dem Pferd zu den Aufforstungsgebieten im Regenwald, Foto: Eva Danulat

Am nächsten Tag steigen Milton, ein Bezirksvertreter und ich am Ende der Straße, in El Rosario, vom Auto um auf Pferd. Zwei Stunden reiten wir über steile, teils feuchte und rutschige Pfade die Berge hoch und überqueren mehrere kleine Bachläufe. Dann die Herausforderung: Wir müssen auch den Fluss Cristopamba überqueren. Es klappt! Ich bin heilfroh als mich mein Pferd am anderen Ufer abliefert. Wir satteln ab, gehen zu Fuß weiter. Bis hierher auf 2700 Meter Höhe ü.d.M. haben Maultiere die Pflanzen aus Cuellaje gebracht. Die Baumschulengruppe hat auf drei Flächen fast 3.500 runde Pflanzlöcher von etwa einem Meter Durchschnitt gegraben und von Hartgräsern befreit – ohne diese Maßnahme haben Bäume hier keine Chance zu überleben. Ich bewundere die Bäumchen, die seit Ende 2015 auf einer ehemaligen Viehweide im Wald gedeihen – noch klein, aber saftig grün und in perfektem Zustand stehen sie in den Pflanzlöchern. Guarrumbos, Wachspalmen, Cedros, Guanderas und Drachenblutbäume sollen hier die Wunden im Wald bald wieder schließen. Nicht zu vergessen Aguacatillo, dessen Früchte die bevorzugte Nahrung der hier häufig gesehenen Brillenbären sind!

Neuer Schutzwald für Cachayacu Alto

Auf diesem Besuch lerne ich endlich auch die kleine Ortschaft Cachayacu Alto im Intag-Bezirk García Moreno kennen. Sie liegt am Ende einer staubigen, holprigen Straße, die sich die Berge hochschraubt, etwa eine Autostunde entfernt von Apuela. Hier gibt es noch viel Wald. Vor zwei Jahrzehnten hatte die kanadische Minengesellschaft Ascendant Copper Corp. – außerhalb des Kupfer-Konzessionsgebiets – mehrere dutzend Waldflächen gekauft. Nachdem das Unternehmen 2008 die Konzessionen für Kupfer-Bergbau verloren hatte, begann es, die Wälder wieder zu verkaufen. 2015 wandte sich die Gemeinde an DECOIN, bat um Unterstützung des LichtBlick-Projekts beim Rückkauf einer dieser Waldflächen. Der Kaufprozess zog sich über viele Monate hin; im Juli kann er endlich abgeschlossen werden. Zwei Mitglieder der Gemeinde begleiten Armando Almeida und mich zur Besichtigung des Geländes. Armando ist Mitarbeiter von DECOIN. Zu seinen Aufgaben gehören das Vermessen und die Beurteilung von neuen Waldflächen im Rahmen von Feldbesuchen sowie das Erstellen von Landkarten.

Die atemberaubende Vielfalt im Ragenwald ist immer wieder faszinierend, Foto: Eva Danulat
Die atemberaubende Vielfalt im Ragenwald ist immer wieder faszinierend, Foto: Eva Danulat

Dichter Nebelwald und unzählige Grüntöne

Noch ist es sonnig und klar, doch zu Fuß hätten wir kaum eine Chance das Gebiet zu erreichen, bevor Nebel oder Regenwolken es verhüllen werden. „Lass uns mit dem Motorrad hinauffahren, so weit wie wir kommen!“ Ich steige also hinter Victor Hugo Ramírez (der mir versichert, bislang nur wenige Male gestürzt zu sein) auf ein Geländemotorrad. Konzentriert und vorsichtig steuert er es über den steilen, kurvigen Weg. Die letzten Kilometer steigen wir zu Fuß durch ein Waldgebiet hinauf zu einem Aussichtspunkt, von dem aus wir freie Sicht genießen. Ich bin begeistert: Dichter Nebelwald überzieht die Hänge gegenüber, unzählige Grüntöne zeigen die Vielfalt der Baumarten an. Und: Der neue Wald grenzt an das Schutzgebiet „El Chontal“, das durch den Kauf erweitert wird. Nach unserer Rückkehr, beim gemeinsamen Mittagessen, versichern mir Bolivio Pérez und Marcia Ramírez – beide Bergbaugegner, wie die meisten im Ort – wie wichtig die Projektinitiative für die Gemeinde ist „Wir sind so froh und dankbar, dass dieser Wald zurückgekauft werden konnte; er schützt unser Trinkwasser und wir schützen ihn!“.

Ein weiteres Highlight meines diesjährigen Intag-Aufenthaltes: DECOIN-Direktor Carlos Zorrilla besucht mit mir eine benachbarte Finca am Waldrand, wo im Familienbetrieb köstlicher Rohzucker, lokal unter dem Namen „Panela“ bekannt, produziert wird – davon mehr im nächsten Bericht.

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Die Berichte veröffentlichen wir regelmäßig hier auf unserer Internetseite.


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