LICHTBLICKER

Eine besondere Beziehung im Regenwald

Seit 15 Jahren schützen wir Regenwaldflächen in Ecuador – pro Kunde und Monat stellen wir einen Quadratmeter Regenwald unter Schutz. Regelmäßig berichtet Carlos Zorrilla von DECOIN, unserem Partner vor Ort, über Aktuelles aus der Intag-Region. In seinem neuesten Bericht erzählt er von einer besonderen Beziehung zwischen einer Blume und einer Biene.

Von Bienchen und Blümchen - im Regenwald gehen Insekten und Blumen eine einzigartige Beziehung ein, Foto: Carlos Zorrilla
Von Bienchen und Blümchen – im Regenwald gehen Insekten und Blumen eine einzigartige Beziehung ein, Foto: Carlos Zorrilla

Wundersame Beziehung einer Orchidee und wilden Bienen

Was mir beim Schreiben der Berichte für LichtBlick am meisten Freude bereitet ist, dass ich Dinge entdecke, die mir unbekannt waren und andere Dinge verstehen lerne, von denen ich dachte, dass ich sie kenne. Das gilt auch für die kuriose, wundersame Beziehung zwischen einer Orchidee und wilden Bienen, die ich bei mir im Wald angetroffen und fotografiert habe.

Atemberaubende und gefährdete Orchideen-Vielfalt

Wie Sie wahrscheinlich wissen, lebe ich im Bergnebelwald der Intag-Region im Nordwesten von Ecuador. Am meisten begeistert mich die immense Artenvielfalt um mich herum. Einen großen Anteil an dieser Vielfalt haben die Orchideen. Die Fläche von Ecuador ist rund 20 Prozent kleiner als die Deutschlands, doch hier finden sich 4.000 Orchideenarten – mehr als in dem 32 Mal größeren Brasilien. Etwa 1.000 dieser Arten sind vom Aussterben bedroht. Neben dem illegalem Baumeinschlag, Landwirtschaft und Rinderzucht bedrohen auch das illegale Sammeln diese Vielfalt. In Intag stellt ohne Frage der geplante großflächige Tagebergbau für Kupfererze die größte Bedrohung dar.

Hier die faszinierende Geschichte wie eine der Orchideen in meinem Wald, die atemberaubend schöne Lycomormium ecuadorense, bestäuben wird.

Aus der Trickkiste der Pflanzen

Orchideen gelten als hoch entwickelte Pflanzen. Das beruht darauf, dass es bei ihnen zahlreiche Mittel und Wege gibt wie sie Insekten dazu bringen, ihre Vermehrung zu unterstützen. Manche Orchideen ahmen selbst Insekten nach, um echte Insekten dazu zu bewegen, die Blüten zu befruchten. Bei diesem Vorgang bleiben Pollen an ihnen hängen, und sie fliegen davon zu weiteren Orchidee – und dabei verbreiten sie die Gene der Pflanze. Andere verströmen den Geruch von verwesendem Fleisch, der bestimmte Aasfliegen dazu bringt, ihren Pollen zu anderen Blüten der gleichen Art zu transportieren.

Kleine Bienen bestäuben 700 Orchideenarten

Die für die Bestäubung meiner Lycomormium-Orchidee zuständige Bienenart gehört der Gruppe der Prachtbienen an. Sie sind in Zentral- und Südamerika beheimatet und befruchten mehr als 700 Orchideenarten! Die Prachtbienen sind leuchtend metallisch grün, blau oder bronze gefärbt und meist nicht mehr als 2,5 Zentimeter lang.

Lycomormium ecuadorense ist eine der Orchideenarten, deren Bestäubung vollständig von Prachtbienen abhängt. Die in Ecuador heimische Orchidee lockt die männlichen Prachtbienen durch einen Duft an. Die Bienen fliegen die Blüten also nicht wegen des Nektars an, wie es andere Bienen üblicherweise tun. Es ist der Geruch, auf den es das Prachtbienen-Männchen abgesehen hat.

Ein zarter Duft überwindet lange Strecken

Die Biene sammelt die Duftsubstanz mit den Vorderbeinen, überträgt sie dann auf ihre spezialisierten Hinterbeine. Beim Einsammeln der Duftsubstanz überträgt die Orchidee ein gelbes, längliches Pollenpaket fest auf die Biene.

Sie können sich vorstellen wie begeistert ich war, als ich die blühende Lycomormium-Orchidee vor ein paar Wochen entdeckt habe und den ganzen Bestäubungsprozess beobachten sowie fotografieren konnte. Geduldig habe ich zwei Wochen lang jeden Tag über mehrere Stunden das Kommen und Gehen der Prachtbienen verfolgt. Erst bei dem Öffnen der allerletzten Blüte, gelang es mir zu beobachten, wie eine Biene das Pollenpaket übernommen hat. Vor meinen Augen verschwand die Biene im Innern der Blüte und kam bepackt mit einem Pollenpaket auf ihrem Rücken wieder heraus – was für ein glücklicher Moment!

 


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