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Ecuador: Ein gespaltener Rat und neue Probebohrungen im Intag

Versammlung Rat des Kantons Cotacachi, Silvia Quilumbango von DECOIN (2. re.)
Versammlung Rat des Kantons Cotacachi, Silvia Quilumbango von DECOIN (2. re.)

von Laura Welle, Unternehmenskommunikation

Konfliktthema Bergbau im Regenwald

Am Thema Bergbau und allen damit verbundenen Aktivitäten scheiden sich seit je her die Geister. Die Konfliktlinien verlaufen aber nicht nur zwischen Landesregierungen und der lokalen Ebene. Die Diskussionen um das Thema hinterlassen auch innerhalb von Kommunen ihr Spuren, wie zum Beispiel in der ecuadorianischen Intag-Region, in der schon in den 1990 Kupfervorkommen entdeckt wurden.

Mitte Februar hat die Abstimmung über die Genehmigung von neuen Probebohrungen des ecuadorianischen Bergbauunternehmens ENAMI-EP (Empresa Nacional de Minería de Ecuador) im Konzessionsgebiet Llurimagua den Rat des Kantons Cotacachi, gespalten.

Neue politische Verhältnisse

Die Anwohner und lokalen Akteure setzen sich schon seit vielen Jahren für ein weitreichenderes Verbot von Bergbauaktivitäten, was bis vor kurzem auch vom Rat unterstützt wurde. Nun hat sich die Zusammensetzung verändert, der Ratspräsident gehört der Regierungspartei an und die Mehrheitsentscheide gehen oft anders aus, da der ökonomische Nutzen des Bergbaus als sehr wichtig erachtet wird.

Unvereinbarkeit mit Richtlinien

Nachdem die Mitglieder des Tourismus- und Umweltkomitees im Dezember von dem ENAMI-EP-Antrag erfahren haben, reagierten sie sofort und haben einen Analysebericht geschrieben: Die Verfassung sieht vor, dass die Rechte der Natur geachtet werden müssen, um den Bewohnern des Landes eine gesunde Umgebung und die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Außerdem sind Bergbau-Aktivitäten mit regionalen Entwicklungs- und Zonierungspläne Cotacachis nicht vereinbar, da diese den Fokus auf Landwirtschaft und Tourismus setzen – also Aktivitäten, die mit Bergbau völlig unvereinbar sind. Die ökonomischen sehr kurzfristigen Nutzen überwiegen laut dem Bericht keinesfalls den Auswirkungen auf die Umwelt.

Unwissen und Gegenstimmen im Rat

Dem Rat des Kantons liegen weder die Umweltverträglichkeitsstudie des Umweltministeriums, noch Berichte über Auswirkungen auf Schutz- oder Wassereinzugsgebiete vor. Das ist besonders fatal, weil die Schürfrechte des Unternehmens in den Einzugsgebieten Junín und Chalguayaco liegen, wo viele Nebenflüsse des Intag-Flusses entspringen und die Wasservorkommen somit bereits an der Quelle verunreinigt werden.
Am Abstimmungstag wurde neben dem Bericht des Tourismus- und Umweltkomitees allerdings ein zweiter Bericht vorgestellt, der einzig die positiven Seiten des Bergbaus betont hat und für die Genehmigung der Aktivitäten von ENANI-EP argumentierte.
Am Ende stimmten vier von acht Ratsvertretern und auch Bürgermeister Arango für die Genehmigung – eine bittere Niederlage für die Bergbaugegner.

So schützenswert und so bedroht - der Regenwald in der Intag-Region in Ecuador
So schützenswert und so bedroht – der Regenwald in der Intag-Region in Ecuador

Im Anschluss an das Treffen hielten Silvia Quilumbango und Polibio Pérez eine Pressekonferenz, die auf Youtube zu sehen ist. Daneben sendete RADIO INTAG eine spezielle Berichterstattung über die Ratssitzung vom 13. Februar als Teil der wöchentlichen Nachrichten. Das Programm, welches von Mitarbeitern des Gemeindezentrums „Casa Palabra y Pueblo“ erarbeitet wurde, kann man sich im Blog anhören.
Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Die Berichte veröffentlichen wir regelmäßig hier auf unserer Internetseite. Die Berichte werden meistens von der Co-Autorin der regionalen Intag-Zeitung Mary Ellen Fieweger, die in der Region lebt, verfasst. So auch der aktuelle Bericht, den sie uns vor einigen Tagen zu gesendet hat.


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6 Kommentare

  • Caroline Schultz sagt:

    Rettet den Regenwald e.V. sammelt in Kooperation mit dem Intag e.V. Unterschriften gegen den Kupferbergbau in einer der Gegenden mit der höchsten Biodiversität der Welt: Ecuadors Intag-Region. Bitte unterzeichnet den Brief an Ecuadors Präsidenten Rafael Correa, der sich gern als grün und sozial verantwortlich präsentiert und nun aber mit der staatlichen Bergbaugesellschaft ENAMI und der chilenischen CODELCO die Bergbaupläne im Intag vorantreibt. Ohne die Zustimmung der Bevölkerung eingeholt zu haben, obwohl das die ecuadorianische Verfassung vorschreibt.
    Den Leuten im Intag ist ihre einzigartige Natur wichtiger als alles Kupfer. Sie kämpfen seit 20 Jahren gegen internationale Bergbauunternehmen, und haben nachhaltige Alternativen aufgebaut: organischen Kaffeeanbau, nachhaltige Landwirtschaft, verantwortungsvollen Tourismus, und mehr. Eine offene Kupfermine würde die Heimat von 17,000 Menschen und einen der artenreichsten Wälder unserer Erde unwiederbringlich zerstören.

    Bitte unterschreibt die Protestaktion, und leitet diese Information an Freunde, Kollegen und Bekannte weiter!
    Für ein grünes Intag ohne Bergbau!

    https://www.regenwald.org/aktion/912/ecuador-muss-der-brillenbaer-dem-bagger-weichen?v=0


  • Katinka Königstein sagt:

    Hallo Hans,

    genau unter Schutz stellen heißt, dass wir die Flächen kaufen. Die Flächen werden sobald sie in unserem Besitz sind von den Gemeinden betreut. Kontrolliert wird das ganze von unserem Projektpartner „Geo schützt den Regenwald e.V.“ Außerhalb unserer gekauften Flächen stehen uns leider keine (juristischen) Möglichkeiten zur Verfügung den geplanten Bergbau zu stoppen. Schöne Grüße Katinka


  • Hans Wurst sagt:

    Hallo Katinka,

    vielen Dank für deine Infos. Einige Fragen habe ich aber trotzdem noch: Was bedeutet denn das „unter Schutz stellen“ des Regenwaldes eigentlich genau? Kauft Lichtblick die Flächen im Regenwald? Warum gibt es Probebohrungen, wenn ein Abbau sowieso nicht möglich ist und welche (juristischen) Möglichkeiten stehen Lichtblick zur Verfügung den geplanten Bergbau zu stoppen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Hans


  • Katinka Königstein sagt:

    Hallo Hans, Hallo Markus,

    richtig, Markus. Es gibt noch viele Flächen, die in Ecuador nicht geschützt werden und in denen Bergbauaktivitäten stattfinden können. In der von uns unter Schutz gestellten Region dürfen diese zum Glück nicht mehr stattfinden.

    Schöne Grüße
    Katinka


  • Markus sagt:

    @Hans Wurst

    Ein Blick in die Wikipedia würde genügen, der Bedarf an zu schützendem Regenwald in Ecuador liegt bei 4 Millionen ha. Die ca. 40.000 m² die durch LichtBlick geschützt werden, entsprechen damit also gerade mal 0,0001%.


  • Hans Wurst sagt:

    Zum Glück sind ja bereits 41.354 Quadratkilometer Regenwald durch Lichtblick geschützt. Da dürfte in Ecuador dann doch wohl kaum noch Platz für Bergbauaktivitäten sein. Der Regenwald ist und bleibt geschützt, oder nicht??? Schließlich zahlen Lichtblick Kunden ja dafür…


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