LICHTBLICKER

„Das Internet der Energie“: Drei Tage auf der Bloggerkonferenz re:publica

Christian Friege spricht auf der re:publica über das Internet und die Energiewende, Foto: LichtBlick
Christian Friege spricht auf der re:publica über das Internet und die Energiewende, Foto: LichtBlick

Heute endet die internationale Bloggerkonferenz re:publica XI in Berlin. 3000 Besucher, viele Themen und kontroverse Debatten prägten die Tage zwischen FriedrichstadtPalast, Kalkscheune und Quatsch Comedy Club im Herzen Berlins. LichtBlick war das erste Mal dabei.

Internet und Energiewelt

Der erste Tag stand für uns ganz im Licht unseres eigenen Konferenzbeitrags. Der Morgen startete mit einem WDR-Interview zum Lichtblick-Engagement. Unser Info-Pavillon wurde von unseren Berliner Kollegen aufgebaut. Gegen Mittag präsentierte unser Vorstandsvorsitzender Christian Friege auf der Bühne im FriedrichsstadtPalast – wo sonst die weltbekannten Tanzrevues stattfinden – seine Thesen. In der Rede genau wie im späteren Workshop zusammen mit dem Spiegel Online Redakteur Stefan Schultz ging es um die immer engere Verzahnung von Internet und Energiewelt, den Einfluß des Web 2.0 auf die Energiewende und das SchwarmStrom-Konzept als Beispiel intelligenter, IT-geführter und dezentraler Energieversorgung.

„Das Smart Grid ist das bessere Internet“

In der Diskussion nach dem Workshop wurden Fragen nach einem intelligenten Netz, Datenschutz, Sinn und Zweck von Smart Metering und der provokanten These Schultz „Das Smart Grid ist das bessere Internet“ intensiv diskutiert.
Für unseren republica-Beitrag gab es im Netz viel Anerkennung („Die umfangreichen Bemühungen von LICHTBLICK, eine wirklich dezentrale Energieversorgung zu etablieren, finde ich beeindruckend und unterstützenswert!“), aber vor allem auch auf Twitter einige Kritik („Hups, bin ich aus Versehen in ner #Lichtblick Werbeveranstaltung gelandet?“). Wenn Sie unsere Beiträge gesehen haben: Was meinen Sie?

Youtube und der Kontrollverlust

Donnerstag und Freitag habe ich dazu genutzt, weitere Workshops zu besuchen. Leider sind die meisten so überfüllt, dass man schon 20 Minuten vorher anstehen muss, um überhaupt noch rein zukommen. Die Workshops hatten spannende Titel wie „Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem“,  „Was ist ein Kontrollverlust?“, „Digitale Gesellschaft“ und „Youtube – als Zukunft des Bloggings“.

Unterwegs auf der re:publica, Foto: Michael Sonnabend
Unterwegs auf der re:publica, Foto: Michael Sonnabend

Gunter Dueck von IBM, der von seinen Kollegen auch the „Wild Duck“ genannt wird, hielt als grandioser Redner einen Vortrag darüber, wie das Internet die Gesellschaft verändert. Angefangen mit der Abwesenheit von Internetverbindungen im ICE und selbst auf der Bloggerkonferenz re:publica landete er schnell bei seiner These, dass das Internet die Arbeitswelt verändert. Sein eingängiges Beispiel: ein Patient, der zwei Stunden im Netz gesurft hat (er nennt ihn einen „frisch Gesurften“), weiß danach mehr über seine eigene Krankheit und mögliche Behandlungsmethoden, als aller Voraussicht nach der Arzt, den er im Anschluss besucht. Das Internet, so seine provokante These, macht das Fachwissen des Berufstätigen – des Arztes, Anwalts oder Lehrers – überflüssig. Es benötigt in einer Internetgesellschaft nur noch reine Professionals und keine reinen Vermittler von Wissen mehr.

Im Workshop „Was ist ein Kontrollverlust?“ wurde eine ähnliche These vertreten. Hier hieß es, Institutionen und die politische Ordnung als solche würden ein Stück weit durch das Internet aufgelöst. Diese Auffassung wurde natürlich heftig diskutiert.

Das „Greenpeace der Netzgesellschaft“

Eine Neurgründung gab es auf der re:publica auch: Die Lobbyorganisation „Digitale Gesellschaft“ will sich für mehr Freiheit im Netz einsetzen und den Bloggern und Usern eine Stimme in Politik und Gesellschaft geben. Der Verein will nach eigener Aussage das „Greenpeace der Netzpolitik“ sein.

Im Workshop „Youtube – als Zukunft des Bloggings“ ging es etwas handfester zu. Hier wurden unter anderem mit Augenzwinkern drei Tipps präsentiert, die ein Youtube-Video zu einem garantierten Erfolg werden lassen: Blondinen in Bikini, süße Katzenbabys oder Justin Bieber.

Wie waren Ihre Eindrücke?

Es ist Freitag Mittag. Langsam wird es im FriedrichsstadtPalast ruhiger. Neben zahlreichen weiteren Workshops, bietet die re:publica ihren Besuchern heute Nachmittag parallel eine Bootstour auf der Spree und eine Planwagenfahrt durch Berlin an.

Für LichtBlick war die Teilnahme an der re:publica Neuland, ein weiteres Experiment in der „digitalen Gesellschaft“. Spannend, herausfordernd und lehrreich. Haben einige von Ihnen vielleicht selbst an einem der Workshops teilgenommen? Welche Eindrücke haben Sie gesammelt?


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4 Kommentare

  • Katinka Königstein sagt:

    Hallo Stefan Krüger,

    Erst einmal Danke für die Glückwünsche. Alle republica-Keynotes wurden aufgezeichnet. Die Veranstalter werden die Mitschnitte in ca. Wochen zur Verfügung stellen. Sobald es soweit ist, geben wir im Blog Bescheid….


  • Stefan Krüger sagt:

    Aus meiner Sicht scheint das LichtBlick-Engagement auf der re:publika zu passen. Der Lichtblickgedanke vom Schwarmstrom ist eben eine ganz praktische Anwendung der Web2.0-Idee (oder ist das dann schon Web3.0???). Also herzlichen Glückwunsch!

    Gibt es die Vorträge für diejenigen, die in Berlin nicht live dabei waren auch als Doku? Hab bisher leider nur einzelne Beiträge über Flügel.TV bekommen, mich würden Eure Tasks aber auch ser interessieren.


  • Ralph Kampwirth sagt:

    Ich war nur am Mittwoch auf der re:publica. Am Abend kritisierte Sascha Lobo, eine der Ikonen der Szene, eben diese Szene. Viele Blogger, so Lobo, würden sich in Ihren Nischen verkriechen, die Botschaften würden nicht nach außen dringen. Das fand ich interessant. Wir wollten als LichtBlick ja auch zeigen, dass die Botschaften der „Vordenker“ aus der digitalen Welt durchaus bei Unternehmen ankommen. So zum Beispiel die Idee, dass Marken heute und in Zukunft immer weniger „von oben“ gestaltet werden, sondern im Dialog zwischen Kunde und Unternehmen geprägt werden (und sich Unternehmen deshalb der offenen Kommunikation im Web 2.0. stellen müssen). Für manchen aus der Blogger-Szene mögen solche Ideen ein „alter Hut“ sein – in der breiten Gesellschaft und in vielen Unternehmen muss für dieses Marken-Verständnis sicher noch intensiv geworben werden. Insofern könnte die republica auch eine Konferenz sein, wo sich die Blogger-Szene nicht nur ihrer selbst, sondern auch ihrer Wirkungsmacht nach außen vergewissert.


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