LICHTBLICKER

CO2-arme Strombilanz nur auf dem Papier

Viele Verbraucher können auf der Suche nach einem neuen Stromanbieter nicht nur zwischen einer Vielzahl von Tarifen und Vertragskonditionen entscheiden, sondern auch zwischen konventionellem und grünem Strom. Wie unser letzter Check zum Strommix bereits gezeigt hat, entsprechen die Angaben der Stromanbieter bezüglich ihres Ökostrom-Anteils nicht der Realität. Wir wollten nun wissen, wie es bei den Anbietern denn in Sachen CO2-Emissionen aussieht. Viele Energieversorger haben neben ihrem Ökostrom-Tarif ja auch noch Angebote mit Kohle- und Atomstrom. Im Unternehmens-Strommix muss klar gekennzeichnet sein, wie viel CO2 ihr Tarif-Portfolio ausstößt. Vorab: Wir fühlten uns ein wenig an den Diesel-Skandal erinnert.

Von Öko keine Spur

Besonders ins Auge gefallen ist uns innogy – die sogenannte grüne Ökostrom-Tochter von RWE. Wir haben bis heute nicht herausfinden können, wieso das Unternehmen „grün“ oder gar „öko“ genannt wird. Nur drei Prozent des Stroms sind im Unternehmens-Strommix tatsächlich aus erneuerbaren Energien. Dafür werden jedoch pro Kilowattstunde 813g CO2 ausgestoßen – ein Spitzenwert unter den Stromanbietern in Deutschland.

Innogy und Eon liefern ihren Kunden besonders klimaschädlichen Strom, Grafik: LichtBlick
Innogy und Eon liefern ihren Kunden besonders klimaschädlichen Strom, Grafik: LichtBlick

Die dreckigsten Stromanbieter

Und innogy ist nicht alleine. Wir haben insgesamt 50 Stromanbieter in ganz Deutschland verglichen. Bei 36 der 50 Anbieter liegt der tatsächliche CO2-Ausstoß des für die Kunden beschafften Stromes über dem bundesweiten Durchschnitt – und auch dieser ist wie wir wissen wegen des hohem Anteil an Kohlestromes sowieso schon viel zu klimaschädlich. Besonders dreckig sind beispielsweise die Stromangebote bekannter Anbieter wie EWE, Vattenfall, eprimo, E wie Einfach, DB Energie und Yello Strom. Beim Anbieter eprimo liegt der tatsächliche CO2-Austoß sogar 83 Prozent über dem im Anbieter-Strommix veröffentlichten Wert.

Diesel-Gate der Stromanbieter

Übrigens bei allen Anbietern unterscheiden sich die Angaben im eigenen Strommix von den tatsächlichen Werten. Der Grund: Versorger profitieren von einer gesetzlichen Regelung, der ihren Strom klimafreundlicher erscheinen lässt, als er ist. Denn jeder Energieanbieter darf bis zu 45 Prozent nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz geförderten Ökostrom in der Kennzeichnung ausweisen – obwohl die Anbieter diesen EEG-Strom nicht für ihre Kunden einkaufen. Die virtuelle Anrechnung des klimafreundlichen EEG-Stroms verbessert auch die CO2-Bilanz der Stromtarife – allerdings nur auf dem Papier. So verursachen beispielswiese nach eigenen Angaben die Stromprodukte von innogy nur 495g CO2/Kilowattstunde – statt den tatsächlichen 813g CO2/Kilowattstunde. Das sind 64 Prozent mehr als der offizielle Wert. Damit liegen Werbeversprechen und Realität bei innogy meilenweit auseinander. Zum Vergleich: Der deutschlandweite Durchschnittswert liegt bei 471g und wer LichtBlick-Strom bezieht, verursacht 0 Gramm CO2.

Emissionen vermeiden

Bei der Stromanbieter-Wahl lohnt es sich zweimal hinzuschauen - viele sind dreckiger als sie angeben, Foto: LichtBlick
Bei der Stromanbieter-Wahl lohnt es sich zweimal hinzuschauen – viele sind dreckiger als sie angeben, Foto: LichtBlick

Nun sind die Angaben in Gramm pro Kilowattstunde etwas abstrakt für die Kunden. Wir haben daher den CO2-Ausstoß auf den durchschnittlichen Jahres-Stromverbrauch umgerechnet. Bei 3.500 Kilowattstunden im Jahr verursachen die Stromprodukte von innogy im Schnitt 2,8 Tonnen CO2 und von Vattenfall 2,3 Tonnen. Eine enorme Menge klimaschädliches Gas, das zusätzlich zu den Emissionen kommt, die jeder Haushalt durch Autofahrten, Heizung und Ernährung und Konsum verursacht. Und dabei ist ein Wechsel zu einem echten Ökostromanbieter, der neben grüner Energie garantiert keine anderen Stromprodukte anbietet, so einfach und eine echte Entlastung fürs Klima.

Ihr Energieanbieter ist nicht in der Übersicht und Sie möchten gerne den echten CO2-Ausstoß Ihres Energieanbieters erfahren. Melden Sie sich gerne per E-Mail bei uns (presse@lichtblick.de) und wir berechnen Ihnen die CO2-Emissionen.

Eigener Klimaschutzplan

Wie wichtig CO2-Einsparungen sind, zeigt eine Berechnung von Dr. Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie: Jede Tonne klimaschädliches Treibhausgas führt dazu, dass in der Arktis drei Quadratmeter Sommermeereis schmelzen. Was das bedeutet, erklären wir in einem Interview demnächst hier im Blog.

Starten Sie also heute Ihren eigenen Klimaschutzplan und steigen Sie auf 100 Prozent grüne und CO2-freie Energie um, aber nur von einem echten 100% Ökostromanbieter beispielsweise von LichtBlick. Ein Wechsel ist schnell und einfach gemacht. Und wenn Sie doch Fragen haben, ist unser Kundenservice unter 040-80803030 für Sie da.


Zurück zur Übersicht »

4 Kommentare

  • Ulrich Schäfer sagt:

    Diesen Beitrag verstehe ich, ehrlich gesagt, nicht so richtig. Ich kann Ihre Aussagen auch deswegen nicht einordnen, weil mein derzeitiger Anbieter – Fa ESWE Versorgung, von dem ich „ESWE Natur STROM“ beziehe – in der Auflistung fehlt. Vielleicht ist dieser Anbieter zu unbedeutend. Aber wie wäre er Ihrer Berechnung nach einzuordnen? Und wie sähe diese Berechnung aus?


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Herr Schäfer,

      vielen Dank für Ihre Rückfrage. Die Stromkennzeichnung ist tatsächlich ziemlich kompliziert. Zumal viele Anbieter auch mindestens ein Stromprodukt haben, dass zu 100% Ökostrom liefert und somit viele Verbraucher annehmen, dass das Unternehmen doch „grün“ sein müsste. Ein Blick auf den Unternehmensmix zeigt jedoch, ob der Energieanbieter nicht doch noch andere Quellen, wie Kohle- und Atomstrom bezieht.

      Jeder Stromanbieter ist verpflichtet seinen Strommix – also aus welchen Energiequellen er den Strom bezieht – auf seiner Webseite zu veröffentlichen. Den Strommix Ihres Anbieters finden Sie hier: https://www.eswe.com/privatkunden/service/

      Allerdings: Versorger profitieren von einer gesetzlichen Regelung, der ihren Strom klimafreundlicher erscheinen lässt, als er ist. Denn jeder Energieanbieter darf bis zu 45 Prozent nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz geförderten Ökostrom in der Kennzeichnung ausweisen – obwohl die Anbieter diesen EEG-Strom nicht für ihre Kunden einkaufen. Die virtuelle Anrechnung des klimafreundlichen EEG-Stroms verbessert auch die CO2-Bilanz der Stromtarife. So verursachen beispielswiese nach eigenen Angaben die Stromprodukte von Ihrem Anbieter 83g CO2 pro Kilowattstunde – statt den tatsächlichen 151g CO2/Kilowattstunde. Damit gehört Ihr Anbieter zu den etwas „grüneren“. Dies liegt daran, dass er neben dem Strom aus Erneuerbaren, nur Strom aus Gaskraftwerken im Portfolio hat und kein Kohle- und kein Atomstrom.

      Zum Vergleich: Der deutschlandweite Durchschnittswert liegt bei 471g und wer LichtBlick-Strom bezieht, verursacht 0 Gramm CO2.

      Beziehen Sie als Kunde bei diesem Versorger ein Ökostromprodukt bedeutet dies, dass der Strom den Sie beziehen CO2-frei ist. Wir empfehlen aber immer auch einen Blick aufs Gesamtunternehmen, um zu entscheiden, wie ernst es der Versorger mit der Energiewende meint.

      Wir haben uns beim Klima-Check übrigens die 50 größten Stromanbieter angeschaut. In Deutschland gibt es jedoch über 1.000 Anbieter….

      Bei weiteren Fragen melden Sie sich gerne.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


  • Danny Huppert sagt:

    Guten Tag,
    Gestatten Sie ein paar Fragen zu dem Artikel. Sie haben 50 Anbieter getestet. Wo sind denn die Testergebnisse? Ich lese die nur im Text zusammengefasst. Welche Stromarten wurden verglichen? Die EWE bietet im Tarif Naturwatt einen reinen Ökostrom an. Ist das der Vergleich oder meinten Sie das gesamte Portfolio der EWE? Ich bin deren Kunde und will dieses Jahr wechseln. Deswegen Frage ich. Und wie ist es mit der Naturatrom AG? Auch die Grafik im Artikel kann ich leider nicht vergrößern…

    Herzliche Grüße
    D.Huppert


    • Anke Blacha | LichtBlick Autorin antwortet:

      Hallo Herr Huppert,

      Danke für den Hinweis – die Liste wollten wir Ihnen nicht vorenthalten – Sie finden Sie hier zum Download: https://www.lichtblick.de/presse/news/2018/01/31/deutschlands-dreckige-stromanbieter/ und ich habe den Link inzwischen im Beitrag ergänzt.

      Sie haben natürlich Recht: Die meisten Stromanbieter haben inzwischen auch einen Ökostrom-Tarif. Doch wir haben uns den Gesamt-Strommix angeschaut. Hier zeigt sich, dass das Ökostrom-Produkt gerne als grünes Deckmäntelchen genutzt wird, der Anbieter aber parallel noch Kohle- und Atomstrom bezieht.

      Bei allen „echten“ Ökostromanbietern, die wirklich nur einen Stromtarif mit 100% Ökostrom haben, wie Naturstrom, EWS, Greenpeace Energy und LichtBlick, können Sie sich sicher sein, dass keine CO2-Emissionen ausgestoßen werden.

      Viele Grüße
      Anke Blacha


Artikel kommentieren


Ich habe die Datenschutzhinweise von LichtBlick, insbesondere die Hinweise zur Kommentarfunktion und dem dort erläuterten Zweck der Datenverarbeitung gelesen und bin damit einverstanden, dass meine Daten zu diesem Zweck gemäß der Datenschutzerklärung verarbeitet werden. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Bei Fragen zum Datenschutz wenden Sie sich bitte an datenschutz@lichtblick.de.