LICHTBLICKER

Auch in Deutschland Proteste gegen den Bergbau in der Intag-Region

Protest gegen Bergbau in der Intagregion
Protest gegen Bergbau in der Intagregion

Während der Europareise von Präsident Rafael Correa, die im April in Deutschland begann, war von der Intag-Region selbst in den deutschen Medien die Rede. Das ecuadorianische Staatsoberhaupt wurde vom Geschäftsführer der staatlichen Bergbaufirma ENAMI, Fabián Rueda, sowie von einer Gruppe Geschäftsmänner aus Ecuador begleitet. Während der Pressekonferenz verkündete Rueda, der Bezirk Llurimagua in der Intag-Region habe hohe  Priorität für weitere Erkundungen und den vorgesehenen Abbau des Kupfererzes. Es sei eine Kooperation im Bereich Bergbau mit dem chilenischen Bergbauunternehmen CODELCO geplant.

Gegen Bergbau im Regenwald

Proteste während der Rede von Präsident Correa in Deutschland.
Proteste während der Rede von Präsident Correa in Deutschland.

Diese Nachricht feuerte die Proteste während der Rede von Präsident Correa bei der Großveranstaltung an der Technischen Universität Berlin am 16. April an. Zuvor hatten deutsche Studenten und Experten Unterschriften für eine Petition  gegen den Bergbau im Nebelwald der Intag-Region gesammelt. Die jungen Leute – ehemalige Freiwillige, die vor ihrem Studienbeginn während eines „Praxisjahres“ mit Basisorganisationen im Intag zusammen gearbeitet haben –  engagieren sich nun im Verein „Intag e.V.“. Dieser organisiert Events, um Spenden im Kampf für den Waldschutz zu generieren. Insgesamt 61.431 Unterschriften kamen zusammen, die dem ecuadorianischen Minister für strategische Ressourcen, Rafael Poveda Bonilla während eines Treffens (im Vorfeld) überreicht wurden. Unterdessen verteilten Umweltaktivisten vor dem Universitätsgelände Informationsbroschüren an die interessierten Teilnehmer der Correa-Veranstaltung. Und sie erklärten ihnen, weshalb sie gegen den Bergbau im Intag sind und hielten Schilder mit Botschaften zum Schutz des Waldes hoch. Im Hörsaal hielten sie während der Rede von Präsident Correa die Zahl der Unterschriften hoch, die gegen die Bergbauvorhaben der Regierung gesammelt worden waren.

Berichte über Proteste in Deutschland im Intag-Radio

Ehemalige Freiwillige interviewten Protestveranstalter und Konferenzteilnehmer über ihre Meinung zum Bergbau im Intag. Zusammen mit einem Bericht über die Ereignisse in Berlin wurden die Interviews in einer Sendung von Radio Intag ausgestrahlt. Flächendeckend berichteten auch die ecuadorianischen Medien über die deutsche Protestaktion wie etwa „Ecuador Radio“. In Correas wöchentlicher Ansprache an die Nation blieben diese dagegen unerwähnt.

Protest-Wandbild in Cotacachi
Protest-Wandbild in Cotacachi

DECOIN förderte ein Treffen der Gemeinden in Junín, um über deren Strategie in den nächsten Monaten zu beraten. Über 130 Betroffene kamen, darunter auch einige junge Leute aus dem Bezirk Cotacachi. Sie versprachen tatkräftig die Aktivitäten zu unterstützen, die dazu beitragen den Wald in der Intag-Region zu schützen und Bergbauaktivitäten zu verhindern. Zeugnis dieses Engagements sind schon jetzt Wandmalereien im Zentrum der Kleinstadt Cotacachi.

Ein Frosch wirbt für Artenschutz

Protest-Wandbild in Cotacachi
Protest-Wandbild in Cotacachi

„Ist das nicht cool?“ kommentierte der Leiter der Umweltschutzorganisation DECOIN, Carlos Zorrilla, begeistert Fotos, die er im März an den Projektpartner von LichtBlick, den Verein „GEO schützt den Regenwald“, schickte. Nahe seines Hauses mitten im Bergnebelwald der Intag-Region hatten Kinder einen Monat zuvor eine spektakuläre Entdeckung gemacht: Gut getarnt im vermodernden Laub fanden sie einen winzigen Frosch von nur acht Millimeter Länge. Aufgrund der geringen Größe und des speziellen Habitats spürten bisher nur Fachleute diese Art auf. Doch Carlos und seinen Begleitern glückte es sogar vier weitere Exemplare ausfindig zu machen. Die Froschart zu bestimmen, bleibt allerdings wenigen Spezialisten vorbehalten.

Wie einer dieser Experten, der Darmstädter Zoologe Jörn Köhler, kürzlich der Geschäftsführerin von „GEO schützt den Regenwald“ berichtete, finden sich in der Gattung Pristimantis, der die Winzlinge angehören, 455 anerkannte Arten. Keine andere Wirbeltier-Gattung weist eine solche Vielfalt auf! Der durch Carlos entdeckte Miniatur-Frosch konnte durch den Amphibienforscher Martin Bustamante in Ecuador identifiziert werden; Wissenschaftlern ist er als Pristimantis appendiculatus bekannt. Diese Art ist ausschließlich an den Westhängen der Anden beheimatet, in den Nebelwäldern von Ecuador und Südkolumbien.

Der Fund verdeutlicht einmal mehr die enorme Artenvielfalt in Ecuador. Und er zeigt, wie wichtig der Schutz des Nebelwaldes der Intag-Region ist. Gerade vor dem Hintergrund seiner bedrohten Existenz ist es etwas ganz Besonderes diesen zierlichen Frosch mit der spitzen Schnauze in jenem Gebiet ausfindig zu machen, in dem sich LichtBlick gemeinsam mit „GEO schützt den Regenwald“ und DECOIN seit nunmehr neun Jahren für den Walderhalt engagiert.

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Die Berichte veröffentlichen wir regelmäßig hier auf unserer Internetseite. Die Berichte werden meistens von der Co-Autorin der regionalen Intag-Zeitung Mary Ellen Fieweger, die in der Region lebt, verfasst. So ist auch dies ein Auszug aus dem aktuellen Bericht, den sie uns vor einigen Tagen zu gesendet hat.


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