LICHTBLICKER

Artenvielfalt im Regenwald ist bedroht

Es ist leicht zu verstehen, dass die Menschen in diesen Tagen die Krise um den Erhalt der biologischen Vielfalt vergessen. Zu viele andere Themen und Krisen beschäftigen uns: Der Irrsinn des Islamischen Staats, tragische Flüchtlingskrisen, die Aggressionspolitik im Nahen Osten, der wirtschaftliche Kollaps in Griechenland…

Schwere Zeiten für den Artenschutz

Abgesehen von lokalen Umweltthemen scheint sich unser Augenmerk auf die sterbenden Ozeane und den Klimawandel zu beschränken. Dies gaukelt uns vor, dass sie die einzigen Themen sind, die für Lebewesen auf unserem Planeten relevant sind. Die Artenvielfalt findet kaum Beachtung. Doch das Problem ist so groß, dass manche Experten davon sprechen, dass wir ein neues Zeitalter der Menschheitsgeschichte eingeläutet haben: das Anthropozän.

Auch der Andenklippenvogel gehört zu den bedrohten Tierarten im Regenwald von Ecuador, Artenvielfalt Foto: Carlos Zorrilla
Auch der Andenklippenvogel gehört zu den bedrohten Tierarten im Regenwald von Ecuador, Foto: Carlos Zorrilla

Beginn eines neuen Zeitalters?

Das Anthropozän ist definiert als jene erdgeschichtliche Epoche, in welcher der Mensch zum dauerhaften Nachteil in die Geschicke und Regulierungssysteme der Natur eingreift. Der enorme Verlust an biologischer Vielfalt unter dem Einfluss des Menschen ist eines der Hauptmerkmale des Anthropozäns und  wird als „Sechstes Massensterben“ bezeichnet.
Das Artensterben schwächt die Widerstandsfähigkeit unseres Planeten, schwächt dessen Kraft, die Angriffe des Menschen abzuwehren. Vergegenwärtigen Sie sich, wie sehr der Waldschwund den Klimawandel vorantreibt. Die Vielfalt ist nicht zufällig entstanden. Erstens ist sie auf der Erde Grundlage  für die Schaffung und den Erhalt des ökologischen Gleichgewichts. Die Diversität ist nicht nur wichtig für die Herausbildung neuer Arten, sondern sie erlaubt es ihnen auch, sich weiterzuentwickeln und erfolgreich zu vermehren. Um es kurz zu sagen: Uns Menschen gibt es nur, weil unser Planet eine solch große Artenvielfalt aufweist!

Artenvielfalt und Politik in Ecuador

Und was hat das alles mit der Intag-Region zu tun? Jede Menge. Ecuador steht auf der Liste der Länder mit dem größten Artenschwund an erster Stelle – obwohl die Fläche Ecuadors gerade mal 0,18 Prozent der Landmasse weltweit ausmacht! Von den 21.386 Tier- und Pflanzenarten, die vom Aussterben bedroht sind, finden sich 2.301 in Ecuador – doppelt so viele wie in Brasilien. Einer der Gründe hierfür ist, dass Ecuador eine herausragend hohe Vielfalt pro Flächeneinheit aufweist. Wer hier einen Wald rodet, vernichtet also pro Hektar mehr Arten als in Brasilien oder Deutschland. Mitschuld am großen Artensterben ist die Kurzsichtigkeit der Regierungspolitik. Ein Beispiel dafür ist das Interesse der ecuadorianischen Regierung, großflächigen Bergbau voranzutreiben – ohne Rücksicht auf den Naturschutz und die Bedrohung der Artenvielfalt. Die Wälder im Intag gehören zu den biologischen Juwelen, in denen mehr Arten Gefahr laufen zu verschwinden als in manch einem ganzen Land.

Gefährdung der biologischen Vielfalt im Intag

Zu den in Intag bedrohten Säugetieren zählen Jaguar, Brillenbär und Ozelot; auch der vom Aussterben bedrohte Braunkopfklammeraffe findet sich auf dieser entsetzlich langen Liste wieder. Verschiedene Vogelarten sind ebenfalls gefährdet, darunter der „Chocó Vireo“ (lateinischer Name: Vireo masteri), der erst 1996 beschrieben worden ist. Ein berühmter Kolibri, das Schwarzbrust-Schneehöschen (Eriocnemis nigrivestis), kommt nur in zwei kleinen Nebelwaldflecken vor – einer davon liegt im Intag-Gebiet.

Wurde vor einigen Jahren erst im Intag entdeckt: Der winzige Prince Charles Frosch, Foto: Carlos Zorrilla
Wurde vor einigen Jahren erst im Intag entdeckt: Der winzige Prince Charles Frosch, Foto: Carlos Zorrilla

Hinsichtlich der Zahl der gefährdeten Amphibien (Lurche) gibt es zu wenige wissenschaftliche Untersuchungen, um die Gefährdung  zu beziffern. Doch nur ein paar Kilometer entfernt von dem anvisierten Bergbauzentrum Junín haben Amphibienforscher kürzlich den Tandayapa-Frosch wiederentdeckt, eine Art, von der man angenommen hatte, sie sei ausgestorben. Im Jahr 2012 wurde an anderer Stelle im Bergnebelwald der Intag-Region der spektakuläre Prince Charles Frosch entdeckt und als neue Art beschrieben.

Höchste Zeit aktiv zu werden!

Uns ist klar, dass die Abholzung von Wäldern massenhaftes Artensterben in Gang setzt. Ebenso ist uns ist die Rolle der Artenvielfalt für die Bewahrung eines gesunden Planeten bewusst. Wenn wir also unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt hinterlassen möchten und das Überleben an sich garantieren möchten, muss sich unsere Generation gegen die Politik der Regierung stellen – und wir dürfen in dieser Hinsicht kein bisschen Zeit verlieren!

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Die Berichte veröffentlichen wir regelmäßig hier auf unserer Internetseite.


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