LICHTBLICKER

Arabica-Kaffee aus dem Regenwald

Vor einiger Zeit haben wir hier im Blog berichtet, dass in der Nähe unseres Regenwald-Schutzprojekts Kaffee nachhaltig angebaut wird und von Kaffee-Kleinbauern verkauft wird. Carlos Zorrilla von DECOIN, unserer Partnerorganisation vor Ort, nimmt uns diesmal mit zur Kaffee-Ernte und der anschließenden Verarbeitung.

Kaffee-Ernte im Regenwald

Wenn meine 5-jährige Tochter mich zum Kaffeepflücken begleitet, endet das immer damit, dass sie sich den Mund mit süßen, schleimigen Früchten vollstopft und die Kaffeesamen überall verteilt. Der „Schleim“ ist ein süßer Glibber, der die beiden Samen (Kaffeebohnen) in der tiefroten Kaffeekirsche umhüllt. Unnötig zu erwähnen, dass meine Tochter nicht die effektivste Kaffeepflückerin der Familie ist, aber ihr macht es Spaß. Meistens fällt die Ernte unseres Kaffees, der in Höhenlagen um 1.850 Meter wächst, in den Juli und August – je nach Wetter. Zu dieser Zeit pflücken in Intag hunderte von Familienmitgliedern ihren Kaffee. In tiefer gelegenen Gebieten um 1.000 Meter sind die Früchte allerdings bereits Ende Juni reif.

Bis aus der Kaffeekirsche leckerer Kaffee wird, ist es ein weiter Weg, Regenwald, Foto: Carlos Zorrilla
Bis aus der Kaffeekirsche leckerer Kaffee wird, ist es ein weiter Weg, Foto: Carlos Zorrilla

38 Kilo Kaffeekirschen = 6 Kilo geröstete Bohnen

Beim Ernten wird eine Kirsche nach der anderen von der Pflanze gepflückt, die viele Hundert Früchte tragen kann. In einem guten Jahr kann eine Pflanze rund ein Kilo getrocknete Arabica-Kaffeebohnen produzieren. Unsere Pflanzen produzieren aber nur 100 bis 200 Gramm getrocknete Kaffeebohnen. Gründe für die geringeren Erträge sind vor allem die geografische Lage und das Wetter: Je höher das Anbaugebiet liegt, desto geringer ist der Ertrag, da es dann meist wolkiger und regnerischer ist. Ungünstige Bedingungen, die sich zusätzlich negativ auf den Ertrag auswirken sind Plagen, wie etwa Pilzbefall.

In der Intag-Region wird hauptsächlich Arabica-Kaffee der Varietät Typica angebaut. Typica-Pflanzen erreichen eine Höhe von bis zu vier Metern, weshalb mein Nachbar Roberto zuweilen eine Leiter für die Ernte benutzen muss. In einem guten Jahr pflückt er 38 Kilo der roten Kaffeekirschen, was ungefähr siebeneinhalb Kilo getrockneten grünen Bohnen entspricht oder sechs Kilogramm gerösteten Bohnen. Obwohl „meine“ Pflanzen bereits ihr ertragreichstes Alter von sechs Jahren überschritten haben, produzieren sie genug, um meinen Bedarf und den der Ökotouristen, die meine Finca besuchen, zu decken. In den letzten 39 Jahren musste ich lediglich einmal „fremden“ Kaffee dazukaufen, obwohl ich wirklich viel Kaffee trinke!

Der lange Weg von der Bohne zur Tasse Kaffee

Bis zum Genuss wirklich guten Cappuccinos oder Espressos ist es ein langer, arbeitsreicher Weg. Am Anfang steht die Ernte roter, reifer Kaffeekirschen. Da nicht alle Kirschen zur gleichen Zeit reif sind, muss während der Saison bis zu sechs Mal gepflückt werden. Danach wird das Fruchtfleisch, das die beiden Samen umhüllt, entfernt. Dafür benutzen wir eine handbetriebene Maschine, die die Kirsche vorsichtig zerdrückt. Um das süße „Gelee“ von den Kaffeebohnen zu trennen, fermentieren wir die Bohnen ein bis zwei Tage. Anschließend werden die Bohnen gewaschen und für eine bis vier Wochen zum Trocknen ausgebreitet.

Wenn Kaffee, dann Fair-Trade

Das Produkt, das an die Kooperativen verkauft wird, nennen die Kaffeebauern „Pergament-Kaffee“. Hierfür bekommt ein Kaffeebauer in Intag vier Dollar pro Kilo. Das ist zwar mehr als die meisten Produzenten in anderen Teilen der Welt bekommen. Aber es ist nicht genug, um davon leben zu können. Dieser Kaffee hat, wie der Name schon vermuten lässt, ein Häutchen um jede Bohne. Das muss entfernt werden, bevor er als Grüner Kaffee vermarktet werden kann. Zuhause entfernen wir das Pergamenthäutchen mithilfe einer einfachen Handmühle, rösten die Bohnen in kleinen Mengen in einer Popcorn-Maschine über einem Feuer. Wenn der Kaffee dann endlich fertig ist, gibt es nichts Besseres!

Ein Kilo Pergament-Kaffee ergibt 0,8 Kilo gerösteten Kaffee. Wenn man bedenkt, dass man aus einem Kilo geröstetem Kaffee 120 Tassen Espresso machen kann, so bekommt der Kaffeebauer rund 3,3 Cent für eine Tasse Espresso, die im Café rund 1,50 Euro kostet oder eine Tasse Cappuccino für 3 Euro. Sollten Sie ein Kaffeekonsument mit Gewissen sein, so unterstützen Sie die Erhöhung der Kaffeepreise und kaufen nur Fairtrade-Kaffee.

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu.


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