Dezentrale Energieversorgung

In Deutschland produzierten jahrzehntelang rund 500 fossile und atomare Kraftwerke, die benötigte Elektrizität. Doch der Ausbau der erneuerbaren Energien verändert den Kraftwerkspark und die Machverhältnisse am Markt. Bis Ende 2015 wurden mehr als 1,5 Millionen Photovoltaikanlagen auf deutschen Dächern installiert, Tendenz stark steigend. Hinzu kommen Windparks, Biomasse-Kraftwerke, Mikro- und Mini-Blockheizkraftwerke, Wärmepumpen usw. Die Energieerzeugung wird dezentral.

Energie in Bürgerhand

Während im fossil-atomaren Kraftwerkspark über 80 Prozent des Stromes von den vier großen Stromkonzernen erzeugt wurde, befanden sich 2012 nur 12 Prozent der Erneuerbaren Energien Anlagen in der Hand der Konzerne – hingegen 47 Prozent in der Hand von Privatpersonen und Landwirten und 41 Prozent bei neuen Investoren wie Projektierern oder Fonds.

Dezentrale Energie ist in Deutschland in Bürgerhand, Foto: PantherMedia
Dezentrale Energie ist in Deutschland in Bürgerhand, Foto: PantherMedia

Kunden werden zu Prosumern

Die seit über hundert Jahren klar fixierte Grenze zwischen Produzenten und Konsumenten verschwimmt. Die „Prosumer“, also Menschen, die zwischen ihrer traditionellen Rolle als Stromverbraucher und einer neuen als Stromproduzent wechseln, werden in Zukunft mindestens eine von mehreren Säulen des neuen Energiesystems bilden oder es sogar weitgehend prägen. Denn für Immobilienbesitzer wird es immer ökonomischer, so viel Strom wie möglich vor Ort selbst zu produzieren, zu verbrauchen und zu speichern, statt ihn zu höheren Preisen vom Energieversorger zu beziehen. Dies gilt auch dann, wenn künftig die Nutzer selbst erzeugten Stromes von ihren bisherigen Privilegien befreit und beispielsweise angemessen an den Kosten für die Stromnetze beteiligt werden.

Sinkende Preise erwartet

Dank neuer Batteriespeicher kann der Eigenstromverbrauch künftig deutlich erhöht werden. Wenn zum Beispiel am Mittag die Sonne scheint und mehr Strom als benötigt erzeugt, speichert eine Batterie die Energie zwischen. Der Hausbesitzer kann den gespeicherten Solarstrom dann in den Abend- und Nachtstunden oder wenn die Sonne nicht scheint, für Licht, Fernseher und Computer nutzen.

Experten gehen davon aus, dass sowohl die Preise für PV-Anlagen als auch für Batterien weiter sinken werden. So ist der Preis pro Kilowattstunde Anlagenleistung für eine PV-Anlage von 2006 bis 2014 um 60 Prozent gesunken. Bei den Batteriepreisen wird ein ähnlicher Preisverfall erwartet: Von 2015 bis 2020 gehen Experten von einem Preisverfall von rund 45 Prozent aus. Mit dem Preisverfall der Solarstrom-Technologie sowie künftig auch der Batterien für PV-Anlagen und Elektromobilen werden immer mehr Häuser zu Kraftwerken und Energiespeichern.


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