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Atomausstieg: Da waren´s nur noch sieben

Pünktlich zum Jahresende geht ein weiterer Atomreaktor in Deutschland vom Netz: Am 31. Dezember wird Block B, einer der beiden noch in Betrieb befindlichen Blöcke des Atomkraftwerkes Gundremmingen abgeschaltet. Damit verbleiben noch sieben Reaktoren bis zum endgültigen Atomausstieg 2022 am Netz.

Erneuerbare weit vor Atomstrom

Die Atomkraft machte in Deutschland im Jahr 2016 nur noch 13 Prozent am Strommix aus. Im Vergleich dazu: Die Erneuerbaren erzeugten rund 190 Milliarden Kilowattstunden Energie, und damit rund 30 Prozent der Bruttostromerzeugung.

Energiekonzerne verdienten jahrelang an Atomenergie, jetzt lassen sie sich den Atomausstieg bezahlen, Foto: PantherMedia
Energiekonzerne verdienten jahrelang an Atomenergie, jetzt lassen sie sich den Atomausstieg bezahlen, Foto: PantherMedia

Zahlt der Steuerzahler den Atomausstieg?

Doch auch wenn nun ein weiterer Reaktor abgeschaltet wird und 2022 endgültig Schluss ist, die kommenden Generation werden noch lange etwas von der Atomenergie haben. Auf sie kommen zum einen enorme Kosten zu – wie hoch diese Kosten sein werden ist selbst unter Experten unklar. Anfang 2017 wurde beschlossen, dass die großen Energiekonzerne, die jahrelang und nach wie vor gut am billigen Atomstrom verdienen, sich mit rund 24 Milliarden Euro aus der Verantwortung kaufen können. Für die Energie-Expertin Claudia Kemfert ist klar, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist – die tatsächlichen Kosten für die langfristige Lagerung dürften deutlich höher sein. Auch die Bundesregierung geht von 170 Milliarden Euro für den Atomausstieg aus. Laut Kemfert wird am Ende wieder der Steuerzahlen herhalten müssen, denn die Bundesregierung ging bei der Festlegung des Konzern-Anteils am Rückbau der Atomkraftwerke von vollkommen unrealistischen Zinssätzen aus. Eigentlich hätte nach ihren Angaben die Beteiligung der Energiekonzerne bei mindestens 75 Milliarden Euro liegen müssen.

Strahlendes Erbe

Ein weiteres AKW geht am 31.12. vom Netz, doch wohin mit dem Atommüll?, Foto: PantherMedia
Ein weiteres AKW geht am 31.12. vom Netz, doch wohin mit dem Atommüll?, Foto: PantherMedia

Doch die finanzielle Belastung ist nur ein Punkt. Die Frage wie überhaupt langfristigen mit dem hochstrahlenden Müll umgegangen soll ist auch rund 60 Jahre nachdem der erste Reaktor in Deutschland in Betrieb genommen wurde bis heute völlig ungeklärt. Bei der Suche nach dem sogenannten Atommüll-Endlager wurde bislang der Salzstock Gorleben favorisiert. Doch 2016 wurde beschlossen, die Suche nach einem Endlager noch einmal ganz von vorn zu beginnen und zwar Deutschlandweit. Bis 2031 soll nun eine Kommission aus Experten, Politikern und Bürgern über den am besten geeigneten Standort für ein neues Endlager beraten. Wie teuer das wird und ob es überhaupt ein endgültiges Atommüllendlager geben kann, ist noch offen. Es gibt übrigens weltweit noch kein Endlager für den radioaktiven Müll.

Übrigens: Nachdem Block B in Gundremmingen an Silvester um 12 Uhr vom Netz geht, dauert es noch mal rund zwei Jahre bis der nächste Atomreaktor abgeschaltet wird.


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