Herr Lücking, die Situation ist paradox: Die Energiewende soll für mehr Klimaschutz sorgen. Doch stattdessen steigen die CO2-Werte in Deutschland wieder an, weil die Kohlekraft boomt. Umweltverbände haben nun ein Gutachten vorgelegt mit dem Ergebnis: Ähnlich wie beim Atomausstieg könnte das Parlament neue Kohlekraftwerke verbieten oder CO2-Grenzwerte festsetzen. Geben Sie dem Kohleausstieg eine Chance?

Der Kohleausstieg ist mit der Energiewende beschlossen. Mindestens 80 Prozent des Stroms sollen im Jahr 2050 in Deutschland regenerativ erzeugt werden. Da die verbleibenden 20 Prozent wohl eher durch hochflexible Gaskraftwerke gedeckt werden, wird für die Kohle faktisch nur noch wenig oder nichts mehr übrig bleiben. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung muss jetzt schrittweise eingeleitet werden. Durch die derzeitigen Rahmenbedingungen passiert das aber nicht.

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Im Frühjahr 2010 lief die eindrucksvolle Dokumentation „Die 4. Revolution. Energy Autonomy“ im Kino. Ab sofort ist der Film kostenlos per Videostream im Internet zu sehen. Damit wollen die Macher auch ein Zeichen gegen die zunehmenden Angriffe auf die Energiewende setzen.

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Das Europaparlament hat den “Backloading”-Vorschlag der EU-Kommission abgelehnt . Ist der Emissionshandel damit “politisch tot”, wie der klimapolitische Sprecher der SPD-Fraktion Frank Schwabe meint?

Die Entscheidung ist ein schwerer Rückschlag für die europäische Klimapolitik. Sie ist zudem total kontraproduktiv für die Energiewende in Deutschland. Die europäische Kohlelobby und die Industrien, die aufgrund ihrer Relevanz für den Klimaschutz in den Emissionshandel integriert sind, haben sich durchgesetzt. Polen beispielsweise jubelt, weil sie dadurch nach eigenen Angaben eine Milliarde Euro pro Jahr sparen. Die Industrie äußert sich nicht so klar und öffentlich, wird aber auch auf die Entscheidung und ihren Lobbyerfolg angestoßen haben. Der deutsche Wirtschaftsminister hat sich mit ihnen gefreut.

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Der Ökostrom, der in Deutschland durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert wird, wird derzeit vor allem von den Netzbetreibern an der Strombörse vermarktet. Für diese vom Gesetzgeber festgelegte Rolle fehlt den Netzbetreibern jedoch die Kompetenz.  Um die Vermarktung des erzeugten Ökostroms sollten sich in Zukunft wieder die Betreiber von Öko-Kraftwerken oder von ihnen beauftragte Dienstleister kümmern. Diese Direktvermarktung würde höhere Erlöse bringen als die Strombörse. So könnte die Ökostrom-Umlage für die Stromverbraucher sinken.

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