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Dies ist ein persönlicher Beitrag* von Sigwart Zeidler, IT

In dieser dreiteiligen Blogserie möchte ich darstellen, warum die derzeitigen ökologisch orientierten Maßnahmen zur Energieversorgung nicht reichen, um die gesamte Weltbevölkerung mit ausreichend Energie zu versorgen. Dabei werde ich auch die Kriterien, welche zukünftig für die ökologische Verträglichkeit gelten sollten, gegenüber bisherigen Vorstellungen auf gesellschaftspolitische Bereiche erweitern.

Dies hat zur Folge, dass bisher als ökologisch betrachteten Techniken in Zukunft nicht mehr uneingeschränkt als ökologisch verträglich betrachtet werden können. Ich denke aber, dieser Diskussion müssen wir uns stellen, wenn wir es wirklich ernst meinen mit der Energiewende.

Was bedeutet Energiewende?

Wenn von der Energiewende geredet wird, ist üblicherweise nur die Erzeugung elektrischen Stroms aus den dauerhaft verfügbaren Energiequellen Sonne, Wind und Wasser sowie dem aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugbaren Biogas gemeint. Nun beträgt aber der Anteil des Stroms an der nutzbaren Endenergie gerade 20% des Gesamtbedarfs. Die 80%, die laut statistischem Bundesamt in Form von Wärme verfügbar sein müssen, werden also gar nicht mit berücksichtigt. Dazu gehört die Heizung von Gebäuden ebenso wie die Prozesswärme verschiedenster Industrieprozesse und die Verbrennungswärme im Fahrzeugmotor. Um die gesamte Menschheit dauerhaft auf ökologisch verträgliche Weise mit Energie zu versorgen, reicht die Energiewende daher nicht aus. Dazu bedarf es einer Energierevolution. Dies soll nun genauer begründet werden.

Was derzeit möglich ist

Die bisher erreichten und weiter auszubauenden Erfolge in der Energiewende beruhen hauptsächlich auf 5 Säulen:

  1. Nutzung des Sonnenlichtes und der Sonnenwärme zur Erzeugung von Warmwasser mit Hilfe von Warmwasserkollektoren und Erzeugung von Strom mit Hilfe der Photovoltaik.
  2. Nutzung der Wasserkraft zur Stromerzeugung mit Hilfe von Lauf- und Speicherwasserkraftwerken.
  3. Nutzung der Windenergie mit Hilfe von Windenergieanlagen an Land und auf See.
  4. Nutzung von Biomasse und Biogas vor allen Dingen im Zusammenhang mit Kraft-Wärme-Kopplung.
  5. Nutzung dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) zur Erzeugung von Strom und Wärme wie z. B. das ZHKW der Firma Lichtblick.

Es sind dies diejenigen Bereiche, die auch von Lichtblick ausschließlich im Rahmen der Ökostromversorgung erfolgreich angeboten werden und die den vollständigen Umstieg auf eine regenerative Stromversorgung ermöglichen sollen.
Hierzu kommt die von Lichtblick beauftragte Studie „2050 Die Zukunft der Energie“ zu dem Schluss, dass frühestens 2030, spätestens aber 2050 der gesamte in Deutschland benötigte Strom mit Hilfe dieser Techniken gedeckt werden kann. Dabei wird auch für möglich gehalten, dass bis 2050 alle Autos mit Elektromotoren ausgerüstet sein können und der dafür benötigte Strom vollständig mit regenerativen Techniken gedeckt werden kann.

Grenzen der Energiewende

Für den Bedarf an Primärenergie ergibt sich damit, dass bis 2050 insgesamt maximal etwa 50% des Primärenergiebedarfs in Deutschland durch Strom aus regenerativen Quellen gedeckt werden könnte. Auch nach diesem Szenario müssen also weiterhin etwa 50% der benötigten Energie in Deutschland durch fossile Energieträger gedeckt werden. Ganz anders sieht die Situation weltweit aus. So geht die International Energy Agency (IEA) in ihrem WorldEnergieOutlook-2011 davon aus, dass der Primärenergiebedarf weltweit bis 2035 um etwa 35% steigen wird. Zum Bedarf an primären Energieträgern heißt es dort wörtlich: „Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe ist noch lange nicht vorüber, ihre Vormachtstellung geht jedoch zurück. Die Nachfrage nach allen fossilen Brennstoffen steigt, der Anteil der fossilen Brennstoffe am weltweiten Primärenergieverbrauch geht allerdings leicht von 81% im Jahr 2010 auf 75% im Jahr 2035 zurück. Erdgas ist der einzige fossile Energieträger, dessen Anteil am Weltenergiemix im Zeitraum bis 2035 zunimmt. In der Stromwirtschaft beruht die Hälfte der zur Deckung der wachsenden Nachfrage installierten neuen Kraftwerkskapazitäten auf erneuerbaren Energietechnologien, allen voran Wasser- und Windkraft.“
Verschieden Forscherteams der EU kommen in ihrem World Energy, Technology, and Climate Policy Outlook gar zu einer Zunahme des Energiebedarfs bis 2030 gegenüber 2010 von über 40%.

Was heißt ökologisch verträgliche Energieerzeugung

Diese Zahlen zwingen uns, langfristig nach immer neuen Möglichkeiten und Lösungen für die weltweite Energieversorgung der Menschheit Ausschau zu halten. Gleichzeitig zeigen die Erfahrungen mit der Kernenergie die Notwendigkeit auf, die Kriterien, welche zukünftig als Maßstab für eine ökologische Energieversorgung dienen, zu überdenken. Denn nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch unbedenklich hinsichtlich der Auswirkungen auf Mensch und Natur. Mein Vorschlag umfasst daher die folgenden Kriterien, welche erfüllt sein sollten, um von  einer ökologisch verträglichen Energieerzeugung und –nutzung sprechen zu können:

  1. Die Energiebilanz muss positiv sein. Es muss also mehr Energie während der gesamten Betriebsdauer gewonnen werden als Energie von der Rohstoffbeschaffung bis zum Abbau einer Anlage benötigt wird. Je mehr Energie im Verhältnis zur aufgewendeten gewonnen wird, umso effizienter und damit besser ist die Anlage.
  2. Die Erzeugung und Nutzung erfolgt ohne jeden Schaden für Natur und Umwelt. Das betrifft sowohl unmittelbare als auch indirekte Wirkungen.
  3. Die Herstellung und Installation der zur Energieerzeugung notwendigen Anlagen hat keine schädlichen Auswirkungen auf Natur und Umwelt.
  4. Die zum Bau benötigten Materialien und Rohstoffe lassen sich umweltverträglich herstellen und gewinnen.
  5. Eine mit den Naturgesetzen harmonierende Technik der Energieerzeugung sollte sich an den Prozessen der Natur selbst orientieren, da sich diese seit Jahrmillionen bewährt haben.
  6. Es sollten nur solche Rohstoffe verwendet werden, die auch in ausreichendem Maße vorhanden sind und gewonnen werden können. Nur so lassen sich langfristig Konflikte um die Rohstoffversorgung vermeiden.
  7. Die verwendeten Techniken sollen zu einer möglichst dezentralen und direkten Energieversorgung der Nutzer führen. Dies deswegen, weil zentrale Versorgungssysteme bei Naturkatastrophen, Sabotageakten und Kriegshandlungen sehr leicht vollständig ausgeschaltet werden können, wodurch ganze Landstriche über längere Zeiträume ohne Strom sein können.
  8. Der eingesetzten Technik sollten alle Menschen unabhängig von deren Weltanschauung und sozialer Stellung gleichermaßen zustimmen können. Andernfalls gibt es Interessenskonflikte zwischen Bevölkerungsgruppen. Diese wirken nicht nur polarisierend sondern verzögern auch technische Umsetzungen. Wenn auch die Erzeugung von Strom nach ökologischen Gesichtspunkten mit den bisherigen Techniken noch ausbaufähig ist und noch eine Zeit lang benötigt wird, darf doch nicht übersehen werden, dass sie ihre Grenzen hat und deshalb langfristig bessere Verfahren notwendig sind.

Was folgt aus diesen Kriterien?

Einzelbeispiele zeigen, dass der Bau von Wind- und Wasserkraftwerken nicht immer auch ein Vorteil für Natur und Umwelt bedeuten muss. Als Negativbeispiel kann das Belo Monte –Staudammprojekts in Brasilien genannt werden. Durch dieses Projekt wurden 600 Quadratkilometer Regenwald zerstört.
Die Windenergieanlagen sollen zukünftig hauptsächlich weit entfernt vom Land auf See installiert werden. Dies erfordert enorme Investitionen in die möglichst verlustfreie Übertragung des Stroms von der WKA zum Land und führt gleichzeitig zu einer Konzentration der Versorgung, wie sie bisher nur für Kernenergieanlagen typisch war.
Der Ersatz von Kraftstoffen für Kraftfahrzeuge durch Strom ist wesentlich davon abhängig, welche Speichertechniken entwickelt werden. Hier gibt es gute Entwicklungen außerhalb der etablierten Großindustrie, welche effiziente und technisch unproblematische Lösungen möglich erscheinen lassen.
Auch Projekte zur Stromerzeugung in riesigen solarthermischen Kraftwerken in der Wüste, wie das der Desertec Foundation, scheinen sehr problematisch. Wie bei den Offshore-Windanlagen handelt es sich letztlich um eine sehr zentrale Versorgungstechnik mit noch viel weiteren Übertragungswegen als sie für den aus Wind erzeugten Strom notwendig sind.
Hinzu kommt, dass die Grundannahmen, welche zu diesem Projekt geführt haben, nicht uneingeschränkt als richtig zu betrachten sind. So ist die Wüste keineswegs als naturgegeben und ewig bestehende Tatsache zu sehen, wie eindrucksvoll die Versuche des Dipl. Ing. Madjid Abdellaziz zeigen, der mit einfachen Mitteln Wüstenflächen begrünt.

Fazit

Um die Lebensbedingungen auf dieser Erde nicht nur zu erhalten sondern wieder zu verbessern und ein Leben der Menschen in Frieden und Liebe zu ermöglichen, können wir uns nicht mit einer Energiewende begnügen, welche eine umweltverträgliche Stromerzeugung ermöglicht. Wir brauchen langfristig eine Energierevolution, die allen Menschen die für ein unbeschwertes und behagliches Leben notwendige Energie jederzeit in ausreichender Menge ohne jegliche Umweltbeeinträchtigung zur Verfügung stellt. Im nächsten Beitrag werden Erkenntnisse und Konzepte vorgestellt, die bereits heute neue Möglichkeiten erkennen lassen.

*Der Beitrag spiegelt nur die subjektive Meinung des Autors wider.

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