Fairtrade-zertifizierte Fußbälle

Fairtrade-zertifizierte Fußbälle

Gastbeitrag von Daniel Caspari, TransFair, Fairtrade Deutschland 

Seit Freitag rollt der Ball endlich! Nun heißt es drei Wochen hoffen, bangen und mitfiebern bei der Fußball-EM in Polen und der Ukraine. Was viele allerdings nicht wissen ist, dass viele der handgenähten Sportbälle aus Pakistan stammen – die meisten davon aus der Stadt Sialkot im Nordosten Pakistans. Die Arbeitsbedingungen dort sind meist sehr schlecht, Näherinnen und Näher verdienen oft nur einen Bruchteil des gesetzlichen Mindestlohns und Kinderarbeit ist weit verbreitet. Fairtrade geht dagegen an und schafft Perspektiven für die Beschäftigten.

Gute Gründe für Fairtrade-Sportbälle

Das Siegel für Fairen Handel

Das Siegel für Fairen Handel

Die Fairtrade-Standards für Sportbälle schreiben vor, dass die Näherinnen und Näher mindestens den gesetzlichen Mindestlohn für ihre Arbeit ausgezahlt bekommen müssen. Darüber hinaus müssen Löhne und Arbeitsbedingungen fortschreitend verbessert werden. Händler, die Fairtrade-zertifizierte Bälle kaufen, verpflichten sich, zusätzlich zehn Prozent des Einkaufspreises als Fairtrade-Prämie auf das Konto des Joint Body des jeweiligen Nähzentrums zu überweisen. Der Joint Body ist ein Gremium ausgewählter Arbeitnehmervertretung und des Managements und entscheidet im Sinne der Beschäftigten, wie die Prämie verwendet wird.

Weltmarktführer Pakistan

Zwei Nadeln, 18 Meter synthetisches Garn, 32 vorgefertigte fünf- und sechseckige Panels und 650 präzise Stiche: Das braucht es, um einen Ball nach FIFA-Standardgröße 5 von Hand zu nähen. Zwar hat sich China in den letzten Jahren zum größten Exporteur maschinell hergestellter Sportbälle entwickelt. Für qualitativ hochwertigere handgenähte Bälle bleibt aber Pakistan weiterhin wichtigstes Herstellerland.

Die Hauptstadt der Ballmacher

So wird die Stadt Sialkot am Fuß der Gebirgsmassive von Kaschmir genannt. Sialkot hat über 500.000 Einwohner. 25 Prozent der Bevölkerung lebt in der Stadt, 75 Prozent in Vororten. Viele der Arbeitskräfte in den Sportball-Nähzentren verdienen ihren Lebensunterhalt in erster Linie als Bauern. Die Armut in der Region ist groß und zwingt die Menschen, zusätzlich in der Ballproduktion zu arbeiten. Mehr als 40.000 Personen sind in Sialkot in Nähzentren beschäftigt.

Fairtrade schafft Veränderung

Näherinnen in Pakistan, die von den Fairtrade-Standards profitieren

Näherinnen in Pakistan, die von den Fairtrade-Standards profitieren

Eine der rund 900 Werkstätten in Sialkot ist das Ayub-Mehad-Stitching-Centre. Es gehört zum Unternehmen Anwar Khawaja Industries (AKI), das seit 2005 Fairtrade-zertifiziert ist. Seither hat sich vieles für die Näherinnen geändert. Bis zur Zertifizierung nähten die Frauen die Bälle ausschließlich zu Hause, denn vielen Frauen ist es in der Islamischen Republik Pakistan verboten, das Haus zu verlassen, um arbeiten zu gehen. AKI hat Heimarbeit verboten, einerseits, weil die Standards Diskriminierung jeder Art verbieten, andererseits, um der verbreiteten Kinderarbeit keine Chance zu geben. Für die Kinder der Arbeiterinnen gibt es eine Kinderkrippe, sie wurde mit Hilfe der Fairtrade-Prämie finanziert, ebenso wurden mit den Geldern eine Wasser-Kühl- und -Filteranlage angeschafft, um den Arbeiterinnen kostenlosen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu gewährleisten. Die Frauen von Bhanewaly und ihre Kinder dürfen außerdem an kostenlosen Computerprogrammen teilnehmen, um sich fortzubilden.

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